Was können Angehörige tun?

Für Angehörige ist die Frage „Was soll ich jetzt tun?“ oft die wichtigste und drängendste. Viele haben bereits vieles versucht, bevor sie Hilfe suchen: Gespräche, Kontrollen, Druck, Schutz, Verharmlosung – meist ohne Erfolg. Die Belastung ist enorm, und häufig fühlt man sich allein mit dem Problem.

Wichtige Erkenntnis: Sie können den Kampf nicht gewinnen – und müssen es auch nicht

So schwer es klingt: Sie können die Sucht Ihres Partners nicht besiegen. Aber das bedeutet nicht, dass Sie verloren haben. Denn es geht nicht darum, den Betroffenen zu überzeugen, zu beweisen oder zu kontrollieren.

Es geht darum, Ihr eigenes Leben zurückzuerobern – unabhängig davon, was der Partner tut.

Ihr Wohlbefinden, Ihre Gedanken und Ihre Entscheidungen dürfen wieder um Sie selbst kreisen.

Was sollten Sie nicht mehr tun?

Viele Angehörige greifen zu Strategien, die verständlich, aber wirkungslos sind:

  • Suchtmittel selbst ins Haus holen, um den Konsum zu „steuern“
  • Flaschen zählen oder Füllmengen kontrollieren
  • Alkohol wegschütten, um den Konsum zu verhindern
  • den Betroffenen entschuldigen oder schützen
  • aus Angst vor Scham alles geheim halten

Diese Maßnahmen erschöpfen Sie – und verändern nichts.

Wo haben Sie bisher Hilfe gesucht?

Gespräche mit Freunden oder Bekannten können kurzfristig entlasten. Doch oft nehmen Außenstehende Partei und sagen Sätze wie: „Das würde ich nicht mitmachen.“

Das mag gut tun, hilft aber nicht weiter – und erreicht den Betroffenen nicht.

Wie sollen Sie Ihrem Partner begegnen?

  • Sprechen Sie offen aus, wie schlecht es Ihnen geht – ohne Rücksichtnahme.
  • Sagen Sie klar, dass Sie sich Hilfe holen werden – und tun Sie es wirklich.
  • Suchen Sie eine Beratungsstelle oder eine Selbsthilfegruppe für Angehörige auf.
  • Führen Sie Gespräche nur im nüchternen Zustand.
  • Wenn der Betroffene verspricht, seinen Konsum zu kontrollieren, vereinbaren Sie klare Zeiträume der Abstinenz.
  • Hält er sich nicht daran, handeln Sie konsequent: Suchen Sie Unterstützung.

Diese Schritte zeigen dem Betroffenen, dass Sie es ernst meinen – und schützen gleichzeitig Sie selbst.

Veränderung braucht Zeit

Wenn Sie mit einem suchtkranken Partner leben und an Ihre Grenzen kommen, haben Sie zwei Möglichkeiten:

  1. In der Co‑Abhängigkeit bleiben – sich weiter anpassen – sich selbst verleugnen – nur noch funktionieren
  2. Verantwortung für Ihr Leben übernehmen – sich von der Sucht des Partners lösen – eigene Bedürfnisse wieder wahrnehmen – neue Stabilität entwickeln

Der zweite Weg ist schwer – aber möglich. Und er beginnt mit Unterstützung.

Warum eine Selbsthilfegruppe so wichtig ist

In einer guten Selbsthilfegruppe treffen Sie Menschen, die Ihre Situation kennen. Menschen, die gelernt haben:

  • sich wieder den eigenen Interessen zuzuwenden
  • Grenzen zu setzen
  • Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen
  • und dadurch auch dem Betroffenen indirekt zu helfen

Hier finden Sie Verständnis, Orientierung und konkrete Schritte für Ihren eigenen Weg.

Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Leben

Sie müssen die Sucht Ihres Partners nicht lösen. Aber Sie können Ihr eigenes Leben zurückgewinnen – Schritt für Schritt, mit Unterstützung und neu