Medikamentöse Unterstützung bei Alkoholabhängigkeit

Die Behandlung einer Alkoholabhängigkeit basiert immer auf mehreren Bausteinen: medizinische Begleitung, psychotherapeutische Unterstützung und – wenn sinnvoll – eine gezielte medikamentöse Therapie. Medikamente können den Entzug erleichtern, das Verlangen nach Alkohol reduzieren oder Rückfälle verhindern. Sie ersetzen jedoch niemals eine therapeutische Behandlung.

Disulfiram (z. B. Antabus)

Disulfiram verhindert den Abbau von Alkohol im Körper. Wird trotz Einnahme Alkohol konsumiert, kommt es zu einer schweren körperlichen Reaktion, die lebensbedrohlich sein kann. Typische Symptome sind:

  • starker Brechreiz
  • Schwindel
  • Atemnot
  • Herzrasen

Disulfiram erzeugt keinen Ekel vor Alkohol und heilt die Abhängigkeit nicht. Es wirkt ausschließlich als Blockade, die den Konsum gefährlich macht. Die Behandlung muss immer durch psychotherapeutische Maßnahmen begleitet werden.

Distraneurin

Distraneurin wird zur Behandlung akuter Entzugserscheinungen eingesetzt. Es wirkt stark beruhigend und kann abhängig machen. Wichtige Hinweise:

  • nur für kurze Zeit anwendbar (max. ca. 14 Tage)
  • rezeptpflichtig
  • sollte ausschließlich unter enger ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden

Acamprosat (z. B. Campral)

Acamprosat wirkt direkt auf die Botenstoffe im Gehirn. Es reduziert den Suchtdruck, indem es überaktive Glutamat-Rezeptoren blockiert. Dadurch wird die Erregungsübertragung gedämpft und das Verlangen nach Alkohol verringert.

Acamprosat wird häufig in der Rückfallprävention eingesetzt.

Naltrexon (z. B. Revia)

Naltrexon wird ursprünglich zur Opiatentwöhnung verwendet. Bei Alkoholabhängigkeit reduziert es die belohnende Wirkung des Alkohols – das angenehme Gefühl beim Trinken bleibt aus. Dadurch sinkt das Verlangen nach Alkohol.

Wichtig:

  • vor Beginn der Behandlung müssen mindestens 8 Tage lang keine Opiate konsumiert worden sein
  • kann in Kombination mit Disulfiram eingesetzt werden

Wichtiger Hinweis

Medikamente können eine wertvolle Unterstützung sein, ersetzen aber keine professionelle Behandlung. Wenn du oder jemand in deinem Umfeld betroffen ist, sollte die Therapie immer durch Ärztinnen, Therapeuten oder spezialisierte Beratungsstellen begleitet werden.