Sucht betrifft niemals nur den betroffenen Menschen. Immer leidet auch das soziale Umfeld mit. Rechnet man durchschnittlich drei Angehörige pro suchtkranker oder suchtmittelmissbräuchlich konsumierender Person, betrifft das rund 18 Millionen Menschen in Deutschland – fast 20 % der Bevölkerung.
Trotz dieser enormen Zahl ist das Angebot an Selbsthilfegruppen für Angehörige erstaunlich gering. Nur etwa 3,8 % aller Selbsthilfegruppen richten sich an sie. Der Grund liegt weniger im fehlenden Angebot, sondern in der geringen Nachfrage: Viele Angehörige nehmen sich selbst zurück und stellen ihre eigenen Bedürfnisse hinten an.
Warum Angehörige oft zu spät Hilfe suchen
Angehörige wenden sich häufig zuerst an Selbsthilfegruppen, um dem Betroffenen zu helfen – nicht sich selbst. Typische Fragen sind:
- Wie kann ich ihm oder ihr helfen?
- Was muss ich tun, damit er oder sie nicht mehr trinkt?
- Wie verhindere ich, dass andere etwas merken?
- Was habe ich falsch gemacht?
Dabei geraten die eigenen Belastungen in den Hintergrund. Ein wichtiger Schritt ist die Erkenntnis: Angehörige können nicht den Betroffenen ändern – nur sich selbst. Erst dadurch entsteht indirekt Einfluss.
Die Vorstellung, dass „alles gut wird, wenn der Partner nicht mehr trinkt“, ist ein Trugschluss. Angehörige müssen lernen, sich selbst ernst zu nehmen und sich nicht vom Verhalten des Betroffenen bestimmen zu lassen.
Typische Herausforderungen für Angehörige
In gemischten Gruppen – oft gemeinsam mit dem betroffenen Partner – bekommen Angehörige häufig zu wenig Raum für ihre eigenen Themen. Viele glauben, durch ihr Verhalten das Verhalten des Betroffenen beeinflussen zu können. Gleichzeitig erleben sie, dass sich trotz aller Bemühungen nichts ändert. Das führt zu:
- Selbstzweifeln
- Überforderung
- dem Gefühl, Leid aushalten zu müssen
- Schweigen über die eigene Belastung
Dabei verfügen Angehörige über viele Stärken: Fürsorge, Achtsamkeit, Einfühlungsvermögen, Organisationstalent, Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit. Doch ein Übermaß dieser Fähigkeiten kann in die Co‑Abhängigkeit führen.
Unterstützung durch die Selbsthilfegruppe Suchthilfe Krefeld
Die Selbsthilfegruppe Suchthilfe Krefeld bietet Angehörigen gezielte Unterstützung. Unsere ausgebildeten ehrenamtlichen Begleiter helfen dabei, Herausforderungen zu erkennen, zu verstehen und konstruktiv anzugehen.
Hier finden Angehörige:
- einen geschützten Raum für Austausch und Entlastung
- Informationen über Co‑Abhängigkeit und Hilfsmöglichkeiten
- Verständnis, Akzeptanz und Wertschätzung
- ehrliches Feedback zum eigenen Verhalten
- die Erlaubnis, an sich selbst zu denken
- Unterstützung bei der Bewältigung von Ängsten
- Erfolgserlebnisse und Anerkennung ihrer Fähigkeiten
Die Selbsthilfegruppe Suchthilfe Krefeld vermittelt zudem passende Therapien, Seminare und Freizeiten speziell für Angehörige. Eine räumliche Distanz zum Betroffenen und die Gemeinschaft mit Gleichgesinnten kann dabei eine wertvolle Entlastung und Erholung bieten.