Was bedeutet Sucht?
Sucht beschreibt ein Verhaltensmuster, das durch ein unwiderstehliches und zunehmendes Verlangen nach einem bestimmten Gefühls- oder Erlebniszustand gekennzeichnet ist. Da der Begriff „Sucht“ sehr unspezifisch ist, wird er bei stoffgebundenen Süchten heute durch den Begriff Abhängigkeit ersetzt.
Grundsätzlich kann jeder Mensch süchtig werden. Sucht ist nicht auf bestimmte Substanzen beschränkt – auch Verhaltensweisen können abhängig machen, etwa:
- Magersucht
- Arbeitssucht
- Spielsucht
- Sexsucht
- andere zwanghafte Verhaltensmuster
Jede Sucht entsteht über den Prozess: Erfahrung → Wiederholung → Gewöhnung → Missbrauch
Alkoholabhängigkeit
Wie entsteht Alkoholabhängigkeit?
Betroffene bemerken oft erst sehr spät, dass sie abhängig geworden sind. Sie entwickeln ein unwiderstehliches Verlangen nach Alkohol und verlieren die Kontrolle über Menge, Beginn und Ende des Konsums.
Die Abhängigkeit kann:
- seelisch
- körperlich
- oder beides gleichzeitig sein.
Sie ist eine krankhafte und behandlungsbedürftige Störung, da sich Betroffene meist nicht allein daraus befreien können.
Das Bundessozialgericht hat bereits am 18.07.1968 (3 RK 63/66) die Alkoholabhängigkeit als behandlungsbedürftige Krankheit anerkannt.
Alkoholabhängigkeit führt zu vielfältigen Schäden:
- körperlich
- seelisch
- geistig
- sozial
und belastet sowohl den Betroffenen als auch sein Umfeld.
Wann gilt man als alkoholabhängig?
Die WHO beschreibt im Klassifizierungssystem ICD‑10 sechs Kriterien für Alkoholabhängigkeit. Bereits ein einziges zutreffendes Kriterium reicht für die Diagnose aus.
Die sechs ICD‑10‑Kriterien:
- Starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu konsumieren
- Verminderte Kontrolle über Beginn, Ende und Menge des Konsums
- Körperliches Entzugssyndrom beim Reduzieren oder Absetzen
- Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Alkoholkonsums
- Toleranzentwicklung: immer höhere Mengen nötig, um die gleiche Wirkung zu erzielen
- Fortgesetzter Konsum trotz schädlicher Folgen (körperlich, psychisch oder sozial)
Zwei Formen der Alkoholabhängigkeit
1. Körperliche Alkoholabhängigkeit
Die körperliche Abhängigkeit entsteht durch den Missbrauch einer Substanz, die in die natürlichen Abläufe des Körpers eingreift und Gefühle beeinflusst.
Beim Absetzen treten typische Entzugserscheinungen auf:
- Zittern
- Brechreiz
- Schwitzen
- Schlafstörungen
- Angst und Unruhe
- Schwächegefühl
- Verdauungsstörungen
- Krampfanfälle
Der körperliche Entzug dauert 5–15 Tage. Bei Mischabhängigkeiten (Alkohol + Medikamente + Drogen) sind die Entzugserscheinungen oft besonders stark.
2. Psychische Alkoholabhängigkeit
Die psychische Abhängigkeit liegt vor, wenn Alkohol zum Hauptmittel zur Herstellung von Wohlbefinden oder zur Bewältigung von Belastungen geworden ist.
Typische Merkmale:
- ständige gedankliche Beschäftigung mit Alkohol
- Angst oder Unruhe, wenn Alkohol nicht verfügbar ist
- gefühlsmäßige Bindung an das Suchtmittel
- hoher Energieaufwand für Kontrolle und Beschaffung
Die Entwöhnung von der psychischen Abhängigkeit dauert in der Regel etwa zwei Jahre.